07.07.2007

Supermänner und Mickey Mouse ...

von Wolfgang Pollanz

Das erste Pickerl, an das ich mich erinnern kann, ist ein Superman-Aufkleber der Firma British Petrol. Ich nehme an, dass es damals – sagen wir einmal, es war 1966 – bei uns in der Nähe eine BP-Tankstelle gegeben haben muss. Irgendwie bin ich halt in den Besitz dieses Pickerls gekommen, der fliegende Superman darauf war nicht in den traditionellen Farben Rot, Blau und Gelb gehalten, sondern in jenen der Ölfirma, in Grün und Gelb. Und weil das Pickerl in seiner Gesamtgröße sich nicht auf den vorderen Kotflügel meines Dreigang-Rades kleben ließ, habe ich den Superman kurzerhand ausgeschnitten, ihn seines Mineralölfirmen-Kontexts beraubt – obwohl, auf seiner Brust, leider habe ich das nicht mehr zu hundert Prozent in Erinnerung, trug er statt des Superman-Logos das von BP. Trotzdem: Ich war jetzt stolzer Besitzer eines Superman-Puch-Dreigang-Rades, der Aufkleber hatte mein Rad zu einem Unikat gemacht. Ich denke, dass ich schon damals verstanden habe, worum es gehen sollte in meinem Leben; auch wenn ich noch nicht alles wusste, aber Distinktion war mir bereits in jenen jungen Jahren wichtig. Und mit dem Pickerl auf dem vorderen Kotflügel meines Rades war ich nicht mehr irgendwer, ich war jetzt endlich Superman.
Im Winter gab es für Superman auch noch das Schilaufen. An die Stelle des Obstgartens vor meinem Elternhaus, wo wir uns die Piste selbst staffeln mussten, traten bald die Schikurse und die sonntäglichen Busfahrten vom Internat in die Obersteiermark, in die dortigen Schigebiete, wo mir am Nachhaltigsten die berüchtigte Abfahrt in der Polster-Rinne nahe Eisenerz in Erinnerung geblieben ist. Irgendwann einmal, ich glaube, ich war schon etwas älter, bekam ich ein Paar Schi der Firma Kneissl. Die Marke hieß White Star, und sie hatte nichts mit der steirischen Schlagerband zu tun, die es um diese Zeit auch schon gab. Und weil es mir wieder um Distinktion ging, habe ich mein Paar Schi natürlich sofort individualisieren müssen, wieder schnitt ich aus einem Pickerl (woher ich es hatte, weiß ich beim besten Willen nicht) einen Mickey Mouse-Kopf aus und klebte ihn über den Kneissl-Stern, der trotz des Namens des Modells schwarz war (die Brettl selbst waren weiß). Von da an war ich der einzige stolze Besitzer von Mickey Mouse-Kneissl-Schiern, die im Übrigen, den damaligen Gepflogenheiten entsprechend, bestimmt einen Meter neunzig lang waren. Richtige Abfahrer-Brettl, auf denen ich als Superman auf Mickey Mouse-Schiern die Polster-Rinne und andere schwarze Pisten hinunterdonnerte.

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