12.08.2007

Eis in Zeiten der PR-Kultur

von Elke Murlasits

Die Veröffentlichung der neuen Eskimo-Eiskarte war in meinem Volksschulleben in Gratkorn einer der absoluten Höhepunkte nach der langen Zeit des bis aufs Eislaufen unsinnigen Winters. Die neueste Eiskarte, was für ein Traum: damit verbunden waren lange Nachmittage im Kinderfreundeschwimmbad, Ferien, Sommer und prickelnd eiskalte Köstlichkeiten.
Über die ideologischen Differenzen zwischen Schöller- und EskimoanhängerInnen brauche ich an dieser Stelle wohl nichts anzumerken, für mich jedenfalls war Eskimo – bis auf den legendären „Milchflip“ und das „Rumfass“ – der absolute Favorit. Diese Diskussion, die zumindest in meinem damaligen Freundeskreis hochbrisant war und sich vor allem anlässlich von Schulwandertagen entzündete, dürfte de facto eher eine langsame Integration in eine Marketingzielgruppe gewesen sein als eine rein ideologische Frage. Stadt- oder Landkind, Rote Falken oder Katholische Jugend, Falco oder Kurti Elsasser?
Klar entschieden wurde diese Frage für mich, kaum erstaunlich, an einem Sommerbeginn, Jahr unbekannt. Sobald sich die Monate mit „R“ dem Ende zu neigten, wurde der Gang zum Konsum in der Grazerstraße immer spannender: wird heute die neue Eiskarte im Geschäft stehen? Werden die neuen Eislutscher präsentiert? Was wird heuer das Besondere sein? (Von Kaugummistengeln war da noch lange keine Rede …) Gedrängt von diesen kindlich-naiven Fragen stand ich plötzlich einem neuen Phänomen gegenüber: das neue Eskimoeis wurde mit schrillen, dreieckigen Pickerln (so haben die nämlich bei uns geheißen) in Neonfarben beworben! Wahnsinn! Was soll denn das bitte sein? Gewöhnt an Astrid Lindgren-Geschichten und Sarah Kay-Ästhetik, war diese „Trendwende“ für mich ein totaler Quantensprung. Vielleicht ist diese Verwunderung heute schwer zu verstehen, für mich ist damals wirklich ein neues ästhetisches Fenster aufgegangen, wow, was für eine Vorlage! Goodbye Volksschule, so muss die Pubertät schmecken! Mein erster Kontakt mit Popkultur hat mir den süßen Geschmack von Plattfuß auf die Zunge gezaubert, wen darf es da wundern …

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